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Hat es das Sandwichkind wirklich schwerer?

Sandwichkind

Sobald eine Familie mehr als 2 Kinder hat, spricht man von einem sogenannten Sandwichkind – ein Mittelkind oder Dazwischenkind – das sowohl ältere, wie jüngere Geschwister hat. Ich mag den Begriff nicht besonders, er ist jedoch relativ geläufig. Was bedeutet es denn ein Sandwichkind zu sein? Was löst es aus? Hat dies Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Kindes? Dieser Frage ging ich nach.

Ich selbst kam als erstes Kind zur Welt und es folgten zwei Geschwister: nach 1.5 Jahren und 8 Jahren. Zwar war ich als Älteste wahrscheinlich die verantwortungsbewusstere, wobei meine kleine Schwester zum Beispiel immer die ordentlichere war. Ich musste dies erst von ihr lernen. Wie auch ich das in den Griff bekam, kannst du lesen im Beitrag Wie du in kurzer Zeit und minimalem Aufwand zu einem aufgeräumten Zuhause kommst.

In meiner eigenen Familie haben wir zwei Sandwichkinder. Die Altersunterschiede variieren bei uns zwischen 3.5 Jahren und 5 Jahren. Gemäss meiner Hebamme zählte ich übrigens geburtentechnisch mehr als einmal als Erstgebärende. Aber dazu mehr im Beitrag Warum eine Frau mehrmals Erstgebärend ist.

Es ist also so, dass ein Mittelkind als Nachgeborenes zuerst den Part des jüngeren Geschwisters einnimmt, bis es den wieder ans nachfolgende Kind verliert. Die Stellung des ältesten Geschwisters bleibt meistens beim gleichen Geschwister (selten wird die Stellung frei). Die Zweit- oder Nachgeborenen müssen demnach ab Geburt an die Aufmerksamkeit der Eltern teilen. Ich schreibe extra nicht konkurrieren um die Aufmerksamkeit, wie es viele tun. Denn ich empfinde es als schlimm, wenn Kinder konkurrieren müssen. Teilen passt für mich eher. Die Zweit- oder Nachgeborenen verlieren den Sonderstatus des jungsten Kindes mit der Geburt eines Nesthäkchens.

In der Geschwisterforschung wird untersucht, welche Auswirkungen die Geschwisterfolge hat und wie sie sich auf die Persönlichkeit des einzelnen Kindes auswirken kann. Die Ergebnisse scheinen alles andere als eindeutig, und es zeigen sich sogar gegensätzliche Studienresultate. Dies sehr möglicherweise wegen anderen Faktoren, die nebst der Geschwisterfolge auch hineinspielen: das Geschwistergeschlecht, der zeitliche Abstand zueinander und der sozial-kulturelle Hintergrund der Familie.

Doch wie ist nun die Wahrheit über Sandwichkinder?

Mittelkinder befinden sich oft in der Ambivalenz entweder „zu klein“ oder „zu gross“ für viele Dinge zu sein, was mitunter aber auch von diesen als relativ praktisch angesehen und entsprechend ausgebaut wird. In den meisten Familien kommt es vor, dass es so ein Sandwichkind gibt. Es ist jedoch vielen Eltern nicht bewusst, dass das Auswirkungen haben kann auf die Kinder.

Diese Ambivalenz bringt Vor- und Nachteile mit sich. Früher, versuchten die erten Publikationen über Geschwisterbeziehungen, die Persönlichkeitsentwicklung, wie auch den Erfolg oder Misserfolg im späteren Leben direkt von der Stellung in der Geschwisterreihe abzuleiten. Erstgeborene seien meist besonders erfolgreich, dies durch ihren Altersvorsprung. Als Beispiel wurde beispielsweise Albert Einstein benannt. Weiter bestand die Meinung, dass jüngste Geschwister einen besonderen Charme und grosse Liebenswürdigkeit im Umgang mit andern entwickeln würden. Die «Sandwichkinder» hingegen hätten es am schwersten, da sie zwischen dem grossen zuverlässigen Geschwister und dem herzigen kleinen Geschwister weniger beachtet würden.

Die heutige Forschung zeigt jedoch, dass aus Vorteilen auch Nachteile oder aus Nachteilen ein Vorteil werden kann je nach Potenzial und Persönlichkeit des Kindes. Es kann vorkommen, dass ein erstgeborenes Kind seine Entthronung durch das zweite schlecht verarbeitet oder sich damit überfordert fühlt, dass es bereits Verantwortung tragen muss. Ein Sandwichkind kann eventuell davon profitieren, dass Familienregeln schon vom älteren Geschwister ausgehandelt wurden, während es sich auf der anderen Seite schützend dem kleinen Geschwister zuwenden kann und so ein stabiles Selbstbewusstsein gewinnt. Das jüngste Geschwister kann eventuell darunter leiden, den andern immer hinterher zu sein, und riskiert den Mut zu verlieren, selber etwas anzupacken.

Neuste Forschungen zeigen Komplexität

Wie erwartet, zeigen neuere Forschungen, dass das Modell der Geschwisterfolge nur ein Faktor in der Persönlichkeit des Kindes ist: Es genügt nicht durch die Position in der Geschwisterreihe Charakterzüge eines Kindes zu erklären. Andere Faktoren und Einflüsse, wie Elemente in der Familie und im späteren Leben, spielen eine zu grosse Rolle. Auffallend dabei wird von den Forschern erwähnt, dass es vorallem die Eltern und deren Beachtung gegenüber der Kinder sind, die die Persönlichkeit ihrer Kinder beeinflussen. Während man früher jeweils vorallem den erstgeborenen Jungen bevorzugt behandelte und Mädchen eine geringere Rolle spielten, behandeln Eltern ihre Kinder heutzutage gleichberechtigter.

Gibt es sie die typischen Sandwichkind-Eigenschaften?

Sandwichkindern wird oft nachgesagt, dass sie psychologisch gesehen ihre Stellung gut nutzen können. Ehrlichgesagt, kann ich es nicht mit einer Studie belegen, aber in meinem Umfeld höre ich oft genau dasselbe, wie ich es auch erlebt habe: Das erste Kind wird strenger erzogen, muss sich die Regeln erst erkämpfen, das zweite zieht im Schatten mit. Mitunter kann der Erwartungsdruck auch abnehmen ab dem zweiten Kind. Bei Mehrkindfamilien kann man das noch stärker beobachten.

Was löst das nun aus bei Sandwichkindern?

Sie haben mehr Freiheiten ihren eigenen Weg zu entdecken, sie nehmen oft die Position des Vermittlers ein, und lernen früh mit Personen verschiedenen Alters umzugehen und Kompromisse zu schliessen. Das ist übrigens einer der Dinge, die man allgemein als Geschwister lernt: Der Umgang mit anderen Menschen.

Britische Forscher fanden heraus, dass Mittelkinder zu grösseren Freundeskreisen tendieren und dass sie glücklicher seien. Ich denke auch hier kann man das nicht verallgemeinern.

Geschwister sind unsere wichtigsten Bezugspersonen

Unabhängig vom Alter und der Stellung innerhalb der Familie, haben Geschwister immer einen ganz einzigartigen Bezug zu einander. Geschwisterbeziehungen sind die längsten Beziehungen, die wir in unserem Leben erfahren und sie haben etwas schicksalhaftes, da man hinein geboren wird und sich die Geschwister nicht aussuchen kann.

Zwischen Geschwistern gibt es eine räum­li­che und ge­fühls­mäs­si­ge Nähe, die einer einzigartigen Ver­bun­den­heit führt. Es besteht eine Intimität, die mit keiner weiteren Beziehung im Leben vergleichbar ist. Die kommt dadurch, dass man im gleichen Haushalt «Nest» aufwächst.

Da sich Ge­schwis­tern so nahe sind, exis­tie­ren teilweise stark und weniger aus­ge­präg­te, un­ge­schrie­be­ne Ver­pflich­tun­gen zwischen einander, die sich in solidarische, hilfs­be­rei­tem, mitempfindendem Ver­hal­ten zeigt.

Oft zeigen Geschwister ähnliche Merkmale und gleichzeitiges Vorhandensein negativen (Hass, Ablehnung) wie po­si­ti­ven Gefühlen (Lie­be, Zu­nei­gung).

Es lohnt sich, die eigene Beziehung zu seinen Geschwistern zu reflektieren. Man kann sich fragen, welche positiven und negativen Dinge der Kindheit gleich geblieben sind. Findet man etwas, was einem nicht gefällt, so lohnt es sich, daran zu arbeiten. Denn alles lässt sich verändern, wenn man an sich arbeitet.

In Zeiten grosser Belastungen können Geschwisterbeziehungen eine wichtige Ressource werden. Sie sind es wert, dass man sorgfältig mit ihnen umgeht.

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