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Warum wir die Bedürfnisse unserer Kinder ernst nehmen müssen

Bedürfnisse seiner Kinder ernst nehmen

Als Mami spürst du bestimmt intuitiv die Bedürfnisse deines Kindes. Du gehst denen so gut wie du kannst nach, versuchst dein Bestes dein Kind zu einem gesunden und glücklichen Menschen zu erziehen. Schon längst ist bekannt, dass die gestillten Bedürfnisse eines Kleinkindes sich positiv auf seine Entwicklung auswirkt. Ein wichtiges Indiz für ein gesundes Kind ist seine Bindungsfähigkeit. Bild Mini mit ihrem Papa ©️ Schweiz Tourismus

Wenn ich meine Kinder sehe wie sie miteinander umgehen, so denke ich doch, dass ich es richtig gemacht habe: Die Mini sucht nach Aufmerksamkeit und die Maxi kümmert sich herzig um sie.

Doch leider war das früher nicht immer so. Heute stolperte ich über einen Artikel, der mich sehr zum Denken brachte. Der Artikel handelte vom Einfluss der Nationalsozialisten auf die heutige Erziehung. Während Generationen kursierten Erziehungsratgeber (siehe Box), die Mütter aufrufen dazu die Bedürfnisse ihrer Kinder zu ignorieren. Noch heute gibt es zerrüttete Beziehungen und teilweise auch psychisch kranke Menschen, die an Beziehungsunfähigkeit leiden.

Erst beim Durchlesen wurde mir klar, wie sehr die Theorien von damals noch präsent waren zu meiner Kindheit, ja sogar als ich im 2003 meinen Grossen bekam. Eines der meist verbreiteten Bücher war das Buch der Ärztin Johanna Haarer, die in der Zeit von Hitler verschiedene Erziehungsratgeber als Bestseller veröffentlichte. Trotzdem hielten sich die Bücher und vorallem die Erziehungsphilosophie lange über die Nazizeit. Es gibt sogar heute noch Eltern, die ihre Kinder gemäss Haarer erziehen. Das bricht mir jedes Mal das Herz. Dies ist mit ein Grund, warum ich mich von manchen Menschen angefangen habe zu distanzieren. Es tut mir weh mit anzusehen, wie sie teilweise Methoden zur Erziehung ihrer Kinder anwenden, die ich nicht gutheisse.

Die Erziehungsratgeber der Nazizeit:
Manche Mütter versuchen vergebens ihre Kinder zu lieben. Gehen sie während einer Psychotherapie in die Vergangenheit zurück, glauben sie nach einer Spurensuche einen Grund dafür gefunden zu haben: die Ärztin Johanna Haarer veröffentlichte zur Zeit des Nationalsozialismus mehrere Bestseller. In ihren Ratgebern erklärte sie, wie Kinder für den Führer erzogen werden. Die Bücher wurden teilweise umgeschrieben, so dass ihre Wirkung bis weit über den Nationalsozialismus anhielt. Viele Mütter geboren bis in die Sechziger, teilweise sogar Siebziger Jahre – also lange nach dem Krieg geboren – leiden an den Folgen der damals zitierten und praktizierten „richtigen“ Erziehungsmethode. Da Haarers Bücher Bestseller waren, fand man vorallem in Deutschland der Nachkriegszeit, wie auch in Österreich und der Schweiz noch in vielen Haushalten Exemplare ihrer Werke.

Die Bedürfnisse eines Kindes

In der zeitgemässen Literatur findet man am häufigsten eine Theorie über die sieben Grundbedürfnisse eines Kindes:

  • Das Bedürfnis nach beständigen liebevollen Beziehungen
  • Das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit und Sicherheit
  • Das Bedürfnis nach liebevollen Erfahrungen
  • Das Bedürfnis nach entwicklungsgerechten Erfahrungen
  • Das Bedürfnis nach Grenzen und Strukturen
  • Das Bedürfnis nach stabilen und unterstützenden Gemeinschaften
  • Das Bedürfnis nach einer sicheren Zukunft für die Menschheit

Für eine gesunde Entwicklung benötigen Kinder mehr als nur ein Dach über dem Kopf und Nahrung. Zwischenmenschliches ist unglaublich wichtig. Wie wichtig die Erfahrungen im Zusammenhang mit Vertrauen, Sicherheit und Struktur sind für ein Kind, wird meist erst bewusst, wenn ein Mensch, der straffällig geworden ist über seine Kindheit und seine missachteten Bedürfnisse spricht. Oft ist eine Wunde da, die Menschen unfähig machen ein gutes Leben zu führen und richtige Entscheidungen zu treffen.

„Die elementaren Bedürfnisse unserer Kinder werden weder bei uns noch in anderen Ländern wirklich befriedigt“ (S. 9.) – mit diesem Satz beginnen der Kinderarzt Brazelton und der Kinderpsychiater Greenspan ihr Buch über die sieben Grundbedürfnisse der Kinder (nur noch antiquarisch erhältlich). Liest man das als Eltern, kann man schon erschreckt reagieren! Gibt es denn „richtig“ bei der Kindererziehung?

Brazelton und Greenspan schreiben auch im nächsten Absatz: „Nur wenige Familien können den Belastungen und Spannungen, die sie erzeugen, ohne äussere Unterstützung standhalten“ (S. 9). Ein Grund warum die beiden die Grundbedürfnisse der Kinder erklären und hoffen, es würde mehr von der Politik darauf eingegangen. Es sei viel mehr Geld für Familien nötig.

Das Buch richtet sich an alle Menschen, die eine Verantwortung gegenüber Kindern tragen. Der Kinderarzt Brazelton und der Kinderpsychiater Greenspan sehen sich als Anwälte der Kinder, die deren Interessen vertreten. Sie setzen sich aus tiefer Liebe zu den Kindern dafür ein, dass viel mehr Beachtung eingeräumt wird für deren Wohlergehen – dies nicht nur in den Familien, sondern auch in der Gesellschaft und der Politik (Schul-, Gesundheitssystem, Kinderbetreuung).

Die Bedeutung der frühen Kindheit

Bedeutend für ein gesundes Kind ist seine frühe Kindheit. Dabei spricht man von den ersten drei Lebensjahren. In dieser Zeit erlernt das Kind das Urvertrauen und macht die grössten Entwicklungsschritte durch in kürzester Zeit. Es ist deswegen wichtig sowohl seine eigenen Methoden, wie auch jene der Fremderziehung genau zu überdenken. Es gibt viele kritischen Psychologen, die behaupten, ein Kind gehöre z.B. in der frühen Kindheit nicht in eine Fremdbetreuung. Doch andere wiederum meinen, dass die Qualität der Familienerziehung in den letzten Jahren auch abgenommen habe: Es gibt viele Eltern, die ihre Kinder beispielsweise fünf bis sechs Stunden täglich dem Bildschirm exponieren. Noch gravierender: die Interaktion zwischen Eltern und Kindern wird tendenziell immer kleiner.

Damit die Entwicklungsbedingungen für Kinder verbessert werden, sollten gemäss Brazelton und Greenspan bewusst die elementaren kindlichen Bedürfnisse reflektiert werden.

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen Wort, ist derselbe Unterschied zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.

— Mark Twain

Was für ein Spagat, den wir Eltern heutzutage immer machen müssen! Die Kinder brauchen starke Bezugspersonen und wir Eltern möchten die sein. Fremdbetreuung wird in der Gesellschaft noch immer etwas als notwendiges Übel angesehen. Doch Kinder bräuchten eigentlich mehr als eine oder zwei Bezugspersonen. Historisch bedingt, wuchsen Kinder in Grossfamilien auf. Seit ca. 70 Jahren immer weniger.

Um ein Kind grosszuziehen, braucht es ein ganzes Dorf

Nigerianisches Sprichwort

Ich bin der Meinung, dass unser soziales Gefüge es teilweise schwierig macht die vielfältigen Ansprechpartner, die die Kinder brauchen, zu bieten. Die Arbeit der Kindererziehung sollte idealerweise auf vielen Schultern verteilt sein. So können Kinder nebst der Kleinfamilie auch Bezugspersonen, Zuwendung und Zuspruch finden. Da wir noch in Grossfamilien, noch in Stämmen leben, wären ideale Personen Grosseltern, Geschwister, Verwandte, Freunde, Lehrpersonen, Nachbarn, Erzieher*innen und Gleichaltrige.

Warum müssen wir die Bedürfnisse der Kinder nun ernst nehmen?

Die Bedürfnisse der Kinder sind bekannt. Wer also auf die eingehen möchte, muss sie und dabei seine Kinder ernst nehmen. Sei es bewusst oder unbewusst. Es gibt viele Erziehungsratgeber, die einem helfen oder verwirren in Bezug auf Erziehungsmethoden. Doch die Quintessenz bleibt: Nehme deine Kinder ernst. Respektiere ihren Willen, ihre eigene Persönlichkeit und Gefühle. Die Methode spielt hier eine zweitrangige Rolle, doch der Grundstock des Respektierens der Bedürfnisse macht die Kinder stark, hilft ihnen erfolgreich ins Leben.

Bedürfnisse der Kinder

Wie nehme ich die Bedürfnisse meines Kindes ernst?

Babys ernst nehmen

Eigentlich wäre es einfach: Babys kommen zur Welt und wissen ihre Bedürfnisse zu äussern. Eltern müssten die nur deuten können. Hier setzt die Bewegung Attachement Parenting an, die es schon seit ein paar Jahrzehnten gibt und glücklicherweise immer beliebter wird. Es geht darum, die Bedürfnisse des Babys direkt zu stillen und eine ganz starke Bindung mit ihm einzugehen. Dabei gehört es viel zu tragen, mit ihm gemeinsam zu schlafen, versuchen die Signale von Hunger, Schmerz, etc. direkt zu verstehen und sein Wohlergehen immer zu optimieren.

Essenswünsche berücksichtigen

Weiter geht es mit den Essenswünschen: Ein Baby mag vielleicht keinen Brei oder keine Rüebli? Da gilt das Prinzip des Ausprobierens. Viele Eltern versuchen sich mit dem Konzept Baby led Weaning. Dies bedeutet, dass das Kind das essen darf, was es möchte. Es wird nicht darauf geschaut wieviel. Es kann einfach vom Tisch essen und probieren, was es mag. Das Kind wird direkt in die Familie und den Essensprozess mit einbezogen. Damit die Ernährung ausgewogen bleibt, wird empfohlen abwechslungsreiche Nahrungsmittel anzubieten.

Gefühle respektieren und passend handeln

Jede Mama möchte die Gefühle ihres Kindes ernst nehmen, doch das klappt durch unsere Angewohnheiten nicht immer! „Sei doch kein Tollpatsch!“ wenn es hinfällt und sich weh getan hat, hilft keinem Kind weiter! Solche und andere Aussagen sind für mich echt bedenklich! Denn wenn ein Kind Schmerz oder Scham verspürt, braucht es unser Verständnis um seine Gefühle einordnen zu können. Wird es für Tapferkeit belohnt oder mit Sprüchen erniedrigt, lernen sie fälschlicherweise ihre Gefühle zu unterdrücken, anstatt sie einordnen und damit überwinden zu können, anstatt überfordert zu sein. Man hilft einem Kind z.B. mit der Aussage: „das Hineinfallen tut weh, ist mir auch mal passiert. Aber meinst du, du kannst weiterspielen oder brauchst du eine Auszeit?“.

Kinder mitmachen lassen und ernst nehmen

Viele Eltern vergessen leider, dass ihre Kinder auch mitbestimmen sollten, respektive einfacher mitmachen können, wenn sie kindgerecht informiert werden. So ist es z.B. vor dem Rausgehen ein einfaches das Kind mehrere Male darüber zu informieren, dass man nachher rausgeht. Nicht einfach das Kind aus seinem Spiel reissen und noch sauer zu reagieren, wenn es die Schuhe nicht anziehen will!

Mir fällt es viel leichter, seit ich mit dem ersten Kind – ein starker Trotzkopf – anfing ihn mehr in unsere Tätigkeiten einzuweihen. Ich erzählte ihm, wohin wir gehen, was wir noch zu erledigen haben, wen wir anrufen sollten, etc. So fühlte er sich bereiter mitzumachen. Beim Frühstück half es, dass ich ihm als Dreijähriger jeweils 2 Möglichkeiten gab zum Essen und er entscheiden durfte. Kleider war auch ein Thema. Da liess ich ihn vor dem ins Bett gehen seine Kleider für den nächsten Tag in Ruhe auswählen. Am Morgen zog er die dann gleich selbstständig an. Bei meiner Tochter, dem vierten Kind klappt das indem ich sie frage, ob sie heute Rock oder Hose tragen möchte. Dann darf meist ich auswählen welches Kleid oder welche Hose.

Die Quintessenz ist, dass das Kind mitentscheiden möchte. Versuche dies bei soviel wie möglichen Situationen, wo es dir nichts ausmacht. Eine klassische Situation wäre auch auf dem Spielplatz: Anstatt meine Tochter mitzureissen, frage ich sie, welchen Weg sie nach Hause gehen möchte. Somit versteht sie von selbst, dass sie jetzt bald unterbrechen und nach Hause gehen wird.

Ernst nehmen ohne Gewalt

Körperliche Bestrafungen, wie auf die Finger hauen, einen Klaps zu geben, etc. zeigen, dass das Kind nicht ernst genommen wird. Erschreckenderweise sind wir selbst so aufgewachsen und in reagieren in emotionalen Situationen mit Gewalt (darüber gibt es verschiedenste Studien). Ein Kind ernst zu nehmen hat mit Respekt zu tun, und damit, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Man muss versuchen ein Vorbild zu sein und sein Kind mit Achtung zu behandeln. Es hilft die Beweggründe seiner Kinder zu verstehen wollen. Denn dann fällt es leichter es zu verstehen und es ernst zu nehmen. Für mich gibt es nichts schöneres gemeinsam mit meinen Kindern an Lösungen zu arbeiten.

Kinder ernst nehmen und die Authorität

Viele Menschen, die wissen, dass ich für bedürfnisorientierte Erziehung einstehe, fragen mich, wie ich es denn aushalten würde, dass die Kinder alles entscheiden dürften. Dies ist nicht der Fall. Dass wir die Kinder ernst nehmen, bedeutet nicht, dass sie alles entscheiden dürfen. Das Kind ist geboren damit kooperieren zu wollen. Es gibt bestimmt Kinder, die mehr Grenzen brauchen als andere, aber im Grossen ganzen möchten Kinder gefallen. Wie wir alle! Wir brauchen alle Anerkennung und Bestätigung. Grenzen helfen dabei übrigens auch zur Orientierung: Gibt es sie, so gibt die dem Kind die Sicherheit zu wissen, was es darf und was eben nicht. Auch in der Attachment Parenting Bewegung wird vertreten, dass etwas Autorität nicht für schlecht für die Kinder sei. Unsere Kinder sind Menschen mit eigener Meinung und Willen. Doch sie sind keine Erwachsenen. Deswegen werden die Eltern entscheiden, ob der Wille der Kinder durchgesetzt werden darf oder nicht. Ich denke dabei vorallem ans Zähneputzen, Hand geben, bein Arztbesuch, etc. Es gilt einfach Ruhe zu bewaren und gewaltfrei dem Kind gegenüber zu begegnen.

Mein Fazit zum Ernstnehmen der Bedürfnisse von Kindern

Kennt man die sieben Bedürfnisse der Kinder, ist es einfacher sich zu orientieren. Denn viele Menschen erziehen ihre Kinder nach Gutdünken, aufgrund von eigenen Erfahrungen oder Erziehungsratgebern. Doch übergeordnet wäre anstatt von Massnahmen lieber ein strategischer Ansatz zu überlegen. Für mich sind diese sieben Grundbedürfnisse wie eine strategische Anleitung. Erst dann gehe ich weiter runter zur Praxis.

Um die Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen ist es wichtig sie zu kennen. UND sie nicht zu missinterpretieren. Wir können unsere Kinder zum Beispiel nicht in Watte packen. Schlechte Konstellationen und Erfahrungen sind menschlich und manchmal Kindern nicht zu ersparen. Ich konnte beispielsweise auch nichts gegen den Schicksalsschlag tun und versuche halt mit meinen Kindern zusammen zu arbeiten und die teilweise speziell durch die Trauer entstehenden Bedürfnisse zu deuten.

Eltern tragen die Verantwortung und sollen bestimmen, jedoch nicht nicht (regelmässig) über die Kinder hinweg entscheiden. Durch viel Kommunikation hilft man seinen Kindern zu kooperieren und dass sie ihre Gefühle verstehen und erklären können. Denn dies ist wichtig, damit die Eltern auch auf die Gefühle eingehen können. Als Eltern ist man sozusagen richtungsgebend, doch die Kinder gehen dann von allein. Ich sehe dies auf jeden Fall so, Und Du? Ich freu mich über Deine Meinung!

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