Todkrank – Wie hilft die Krebsforschung bei Kinderkrebs?

Krebsforschung

Als ich angefragt wurde vor ein paar Wochen wieder etwas über Kinderkrebs, Krebsforschung und die tolle Arbeit des Dachverbands Kinderkrebs Schweiz zu schreiben, da sagte ich sofort zu. Es ist für mich ein Herzensthema, da ich ja in meiner Kindheit schon mit Kinderkrebs konfrontiert worden war, und unsere Spielkameradin leider daran verstarb . Ich habe die Geschichte verbloggt: Diagnose Kinderkrebs – wie können wir helfen?.  Sehr berührt hatte mich auch mein anderer Beitrag über Cancer Survivors, wo ich mit einer Überlebenden ein Interview führen durfte.

Für diesen neuen Blogeintrag hatte ich schon ein Interview mit dem Dr. Nicolas Waespe vereinbart, sonst war das Thema Krebsforschung bei Kinderkrebs und Angst um Leben weit weg. Doch wie es so ist, kommt es im Leben anders: es passiert aus heiterem Himmel… Ich sitze im Spital bei meinem Mann. Es geht ihm nicht gut. Viele Schläuche und viele Ärzte überall. Und ich bin plötzlich mit der Frage konfrontiert, ob seine Daten für die Forschung verwendet werden dürfen. Bumm… Zwar hat er keinen Krebs und seine Diagnose wird mit der Forschung nicht besser, aber seine Daten hilft vielleicht anderen Fällen.

Mir kommt die Kampagne und die Anstrengung von Kinderkrebs Schweiz gleich in den Sinn. Trotzdem unsere Geschichte eine andere ist, gibt es doch Gemeinsamkeiten: geht es doch auch ums Hoffen und Bangen um sein Leben. Zwar werden 4 von 5 Kindern geheilt, aber das ist nicht genug! Mir wird bewusst, wie sehr die Krebsforschung bei Kinderkrebs weiterhin unterstützt werden muss um betroffenen Familien besser helfen zu können!

Dr. med. Nicolas Waespe im Interview – das sagt der Experte

Dr. med. Nicholas Waespe

Ich bin froh, dass der Herr Dr. med. Nicolas Waespe mir Rede und Antwort stand auf meine wichtigsten Fragen:

Warum braucht es Krebsforschung?

—> Krebs ist bei Kindern viel seltener als bei Erwachsenen. Durch internationale Zusammenarbeit von Kinderonkologen und Forschern wurden grosse Behandlungsfortschritte erzielt. Krebsarten, die vor 50 Jahren bei den meisten Kindern tödlich verliefen, können heutzutage bei mehr als vier von fünf Kindern geheilt werden. Aber fast jede Woche stirbt in der Schweiz ein Kind oder Jugendlicher an Krebs: Wir müssen deshalb die klinische Forschung fortführen, die zu Therapieverbesserungen und so besserem Überleben führt. Daneben entwickeln leider zwei von drei geheilten Kindern aufgrund der intensiven Krebstherapie im Laufe ihres Lebens Spätfolgen. Auch auf diesem Gebiet müssen wir uns durch klinische Forschung verbessern, um Kinderkrebsüberlebenden eine Zukunft mit möglichst wenig gesundheitlichen Problemen zu ermöglichen. [bctt tweet=”Dr med Nicolas Waespe: Fast jede Woche stirbt in der Schweiz ein Kind oder Jugendlicher an Krebs: Wir müssen deshalb die klinische Forschung fortführen, die zu Therapieverbesserungen und so besserem Überleben führt. ” username=”muriel_urech”]

Wie läuft die Krebsforschung ab?

—> In der Schweiz sind alle neun Spitäler, die Kinder mit einer Krebsdiagnose behandeln, in der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologie Gruppe (SPOG) zusammen geschlossen. Die SPOG organisiert und überwacht nationale und internationale klinische Studien. Der Einschluss von Kindern in klinischen Studien ermöglicht es, sie mit besser angepassten, schonenderen oder neuen Methoden zu behandeln. Dies ist besonders dort wichtig, wo bisherige Therapien nicht erfolgreich waren oder zu Nebenwirkungen führten.

Was sind die heikelsten Punkte dabei?

—> In der Schweiz erkranken pro Jahr etwa 300 Kinder und Jugendliche an mehr als 50 verschiedenen Krebsarten. Diese Krebsarten unterscheiden sich von denen, die bei Erwachsenen auftreten. Somit gehört Kinderkrebs zu den seltenen Erkrankungen. Aus finanziellen Gründen verwendet die Pharmaindustrie viel weniger Mittel für die Forschung mit Kindern als mit Erwachsenen. Gelder vom Staat – zum Beispiel über die Forschungsförderung, Spitäler und Universitäten – helfen, reichen aber nicht aus, um die Kinderkrebsforschung in der Schweiz in genügendem Ausmass zu ermöglichen. Deswegen ist die Kinderkrebsforschung stark auf Spendengelder von Privatpersonen und Stiftungen angewiesen.

Machen viele Eltern mit ihren Kindern mit bei der Krebsforschung?

—> Ja, in der Schweiz machen sehr viele Eltern bei Forschungsprojekten mit. Und wir sind sehr dankbar dafür. Die Schweizer Kinderonkologen sind bestrebt, für die verschiedenen Krebsarten die neuesten Therapieprotokolle in der Schweiz durchzuführen. Diese sind meist gleichzeitig an Forschungsfragen gekoppelt, das heisst, dass ein Kind mit einer Therapie behandelt wird, die erwiesenermassen wirksam ist. Gleichzeitig führen Ärzte aber in diesen Therapieprotokollen kleine Veränderungen durch, um herauszufinden, ob dadurch die Therapie nochmals verbessert werden kann oder die Nebenwirkungen reduziert werden können. Dadurch werden laufend Informationen gesammelt, die diese Therapien weiter verbessern.

Wie kann man unterstützen bei der Krebsforschung?

—> Wenn wir es Kindern mit Krebs weiterhin ermöglichen wollen, an nationalen und internationalen Studien teilzunehmen, muss die Forschung in der Schweiz genügend finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Nur so können die Erforschung der Ursachen und Therapien von Kinderkrebs sowie die Verbesserung der Nachsorge nach Therapieende fortgeführt werden. Einzig wenn wir dies schaffen, kann die Schweiz durch gute Organisation und Vernetzung weiter an vorderster Front Kinder- krebsforschung betreiben.

Was wünschten Sie sich für die Kinderkrebs Forschung?

—> Mehr als vier von fünf können dank medizinischer Fortschritte geheilt werden. Das reicht aber nicht. Um die Heilungschancen weiter zu verbessern und Nebenwirkungen zu reduzieren, benötigt die klinische Forschung mehr finanzielle Mittel.

Mir liegt es wirklich am Herzen, dass die Krebsforschung für Kinderkrebs weiterhin aktiv sein kann. Gerade diese Tage kamen die Briefe zur Spendenaktion ins Haus. Sie sehen so aus:

Spendenbrief Kinderkrebsforschung
Spendenbrief Kinderkrepsforschung Dachverband

Online-Spenden sind selbstverständlich auch möglich auf der Homepage von Kinderkrebs Schweiz. Ich freue mich über jede Familie, die etwas beiträgt. Es muss nicht viel sein. Lasst es mich doch wissen, wenn ihr spendet. Schreibt hier einen Kommentar oder schreibt mir auf Social Media. Es ist ein sehr wichtiges Thema!

Herzlichst,

eure Muriel

Hier kommt ihr auch noch zu meinen anderen Beiträgen, die ich über Kinderkrebs verfasst habe:

Diagnose Kinderkrebs – wie können wir helfen?

Krebsüberlebende – Cancersurvivor brauchen unser Verständnis: Interview mit einer Überlebenden

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